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Die Geschichte der Dwarslöper? - P91

Die Frisia war ein schneller 45qm Nationaler Kreuzer, 11 Meter lang und 2,30 Meter breit. Sie wurde im Jahre 1922 auf der Schlichting-Werft in Travemünde gebaut und, wie man auf alten Fotos sehen kann, zunächst als Gaffelsegler geriggt. Sie war in Auftrag gegeben worden, um Preise zu gewinnen. Das tat sie auf Anhieb. Schon auf der ersten Schleiwoche ersegelte sie den ersten Preis – einen Elfenbeinzahn mit Verzierungen. Dabei blieb es nicht. Bei unzähligen Vereinsregatten, Kieler Wochen und den Regatten um das Blaue Band der Schlei lag die Frisia vorn.

In den 30er Jahren kam die Rennyacht in die Hände der Familie Schoppmeier, die für einige Veränderungen sorgte, z. B. für eine Hochtaklung statt des bisherigen Gaffelriggs. So konnte man leichter mit dem Schiff umgehen. Erhebliche Änderungen gab es in jenen Jahren bekanntlich auch auf dem Felde der Politik. Der 1933 in Schleswig gegründete Segelclub Ahoi sah sich schon zwei Jahre später auf Anordnung von höchster Stelle im Schlei-Segel-Club wieder. Gleichschaltung wurde dieser Vorgang genannt. Mit einem Male wuchs der SSC wieder auf 176 Mitglieder und 52 Boote an. Aber die Ahoier verstanden sich gut mit den SSCern, wobei der gemeinsame Bau der Bootshäuser am Louisenbad sicherlich ein verbindendes Moment darstellte.

Gerichtet wurden die Bootshäuser im November 1935. Und sie stehen heute noch, eine gute Konstruktion und gute Pflege machten es möglich. Leider blieb der Wunschtraum nach einer größeren Brücke zunächst unerfüllt. Aber die geschützte Lage der kleinen Bucht zwischen der Strandhalle und dem Louisenbad führte zu einer Konzentration des Bojenfeldes. Diese Lösung, Sommer- und Winterlager dicht beieinander, brachte eine weitere positive Entwicklung des Vereinslebens, jäh durch den zweiten Weltkrieg unterbrochen. Zunächst fehlten die Segler, um die Boote zu bewegen, später dann die Materialien, um die Boote zu erhalten und zu reparieren.

Der Frisia ging es noch schlechter. Ihr wurde mit der großen Baumsäge ein Meter ihres schönen Rumpfes abgesägt. Und nicht nur ihr. Weitere drei Boote holte man an Land, um sie auf unter 10 Meter zu stutzen. Dies war sicherlich ein schmerzvoller Vorgang, aber notwendig, weil sie sonst bei über 10 Meter Länge von der englischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden wären. Etwa ein Jahr vorher, am 09. Mai 1945, waren alle Boote requiriert worden einschließlich Bootshaus. Nun segelten fremde Soldaten, mitunter in Begleitung deutscher Frolleins mit den geliebten Booten. Ihre Eigner standen auf der Schleipromenade sowie auf dem Bahndamm der Kleinbahn und beobachteten voller Schmerz, wie die Engländer unsanft mit den Yachten umgingen.

Am 25. Juli 1946 gelang es, die Rückgabe der meisten Boote zu erwirken, wenig später auch des Bootshauses. Die Segelei auf der Schlei war, wenn auch mit Auflagen, wieder möglich. Leider wurden die im SSC so beliebten Schleikreuzer erneut beschlagnahmt und zwangsverschleppt, einige bis zum Jahre 1952. Für die Zeit der Requisition erhielten die Eigner übrigens eine Chartergebühr(!), für die Beschlagnahme des Schleikreuzers OHO zum Beispiel, gab es ganze 37,50 DM. Und für die Frisia gab es neue Eigner. Etwa 1948 übernahmen die Familien Witte und Osbahr das Schiff und tauften es um in Dwarslöper.

Übrigens hat die ehemalige Frisia inzwischen zu alter Rumpfform zurückgefunden, was ihr gut bekommt. Sie ist nach wie vor ein pfeilschneller Segler. Leider wird sie 1979 nach Kiel verkauft, nach 57 Jahren im SSC.

Unter dem Namen Dwarslöper lag die Ex-Frisia bis 1982 in Kiel. (Aus einer Information des Schleswiger-Segel-Clubs SSC