West – Ost 2019

Motivationsschübe


Die Vorzeichen waren alles andere als verlockend. Wie üblich waren es eher wenig Meldungen, da der Termin für viele mitten in der Ferienzeit liegt und nach einer anstrengenden und vor allem dichten Wettfahrtserie bei manchen die Luft raus ist. Dennoch kamen 5 Meldungen zustande und damit war der Klassenstatus erreicht. Dann allerdings musste Gaudeamus die Meldung zurückziehen und die verbleibenden 4 45er wurden in den Yardstick-2-Topf geworfen!


Wenig motivierend!


Dann die Anreise nach Konstanz bei bleierner Hitze und verdammt wenig Wind. Weil wir nicht unter Zeitdruck standen, konnten wir dennoch die Hälfte des Weges mit etwa drei, vier Knoten Speed unter Segeln zurücklegen. Im Konstanzer Hafen wurde uns dann ein Liegeplatz zugewiesen, die Strömung trieb die fee in ein mörderisches Metallrohr, das völlig unnütz etwa 30 cm aus dem Steg herausragte. Das sorgte für die erste Delle im Rumpf nach der Neulackierung der fee und für schlechte Laune beim Skipper.

fee

Schöner Platz mit zwei kleinen Haken


Wenig motivierend!


Nach dem Abendessen in der Stadt trafen wir zuerst zwei Crewmitglieder, die per Zug angereist waren, und dann in der frisch renovierten Villa Prym auf die Crews der anderen 45er, Schelm, Ariadne und Beowulf, mit denen wir uns über die Prognosen für den Samstag unterhielten: Wenig Wind, irgendwann dann ein heftiges Gewitter und Regen.


Wenig motivierend!


Am Morgen dann traf mein letztes Crewmitglied ein (Danke für die Mitfahrgelegenheit, Andi Lochbrunner) und nach einem entspannten Frühstück bei der neuen Wirtin des KYC liefen wir bei null Wind unter Motor aus, nachdem sich das Päckchen vor uns endlich aufgelöst hatte. Die Skinfit stand uns mit traurig hängenden Segeln in der Fahrtrinne im Weg, wir erbarmten uns und zogen sie an die Startlinie zur Tonne in Bottighofen. Inzwischen war es 6:55 Uhr, unsere taktischen Möglichkeiten für den Start reduzierten sich auf Motor aus und Lücke im Gewimmel suchen.

Skinfit

Skinfit schaffte es nicht aus eigener Kraft an die Startlinie


Wenig motivierend!


Dann aber merkten wir, dass wir uns auch ohne Motor bewegten, es hatte Südwind, wir konnten aktiv eine Lücke suchen und mussten uns nicht wehrlos treiben lassen. Beim Schuss waren wir dann nicht gerade in der ersten Reihe, aber immerhin dabei, was die Motivation beträchtlich steigerte. Voll konzentriert versuchten wir, die fee am Laufen zu halten und größeren Störungen auszuweichen. Je freier wir wurden, desto besser lief es und bald schon stand, wie immer, die Entscheidung an: Hier bleiben oder ans deutsche Ufer wechseln? Ein kurzer Orientierungsblick zeigte, dass dort Schelm und Ariadne davonzogen, wir hätten uns also höchstens hinter den beiden einreihen können.

Schelm1

Schelm kämpft mit schnellen Gegnern

Also blieben wir am Schweizer Ufer und suchten dort unser Glück. Und es lief gut. Der Wind nahm zu und bald schon war Romanshorn in greifbarer Nähe. Unterwegs hatten wir zwei X99 hinter uns gelassen, die uns sonst eigentlich nie interessieren, jetzt aber in unserer Yardstickgruppe als Gegner anzusehen waren.

Ariadne

Ariadne hat ziemlich frei Sicht nach vorne.


Freude kam auf!


Die währte allerdings nicht lange, denn schon vor Romanshorn fiel der Süd zusammen und wir wurden immer langsamer. Allerdings sahen wir, dass es dem Schelm weiter draußen auch nicht viel besser ging. Also mussten die einmal gefasste Entscheidung konsequent durchziehen und noch näher ans Schweizer Ufer gehen. Dort drehte der leichte Wind auf West und wir setzten den Spi, den kleinen mit dem hässlichen Farbmix, weil wir dem Wind nicht trauten und den großen nicht in der Flaute durchs Wasser ziehen wollten. Kurs Arbon war angesagt, obwohl sich mir beim schlechten Ruf der Rorschacher Bucht als „Schweinebucht!“ die Nackenhaare sträubten.

Schelm

Der andere Spi mit dem hässlichen Farbmix ganz allein in der "Schweinebucht".

 


Wenig motivierend!


Aber es funktionierte. Der Spi stand, der Wind wurde konstanter und stärker, die Stimmung an Bord war bestens. Einzig die Tatsache, dass weit vor uns ein Spi im selben hässlichen Farbmix (Pink, Lila, Weiß) stand, dämpfte unsere Freude ein wenig. Dann reihten wir uns hinter einer Inferno 29 vom Yachtclub Bregenz ein. Wo kam denn die her? Die war schon früher als wir konsequent ans Schweizer Ufer gefahren. Aber wir waren zuversichtlich, dass die bald einmal hinter uns sein würde. Schließlich hat die Inferno Yardstick 98. Nach fast einer Stunde waren wir ihr jedoch keinen Zentimeter näher gekommen. Viel zu spät kamen wir auf die Idee, dass der Wind inzwischen schon lange konstant und stark genug für den großen weißen Spi war. Also wechselten wir und bald schon war die Inferno Geschichte. Und vor uns wurde der Spi im hässlichen Farbmix immer größer: Wir kamen also dem Schelm, der weit in die Bucht gefahren war und jetzt sich dem Rheindamm näherte, näher.

Schelm3

Der Schelm-Spi wird größer!


Gedämpfter Optimismus kam auf!


Wie oft schon waren bei der West – Ost die Führenden in der Bregenzer Bucht stehen geblieben und hatten auf die Aufschließenden gewartet. Da war noch alles drinnen! Nachdem auch wir den Rheindamm erreicht hatten, schifteten wir in die Harder Bucht hinein. Wenn der West aufhörte, wollten wir möglichst in Ufernähe sein. Aber der Wind hörte nicht auf. Im Gegenteil, er nahm zu. Und so mussten wir mit ansehen, wie vor uns zuerst Ariadne und dann Schelm ihre Spis bargen, weil sie im Ziel vor dem BSC angelangt waren.

Beowulf

Beowulf mit unbekanntem Spi


Wenig motivierend!


Der Wind hielt, eine Viertelstunde später waren auch wir im Ziel (13:29:17) und hatten auf dem Weg dorthin noch ein paar kleine Erfolgserlebnisse: X99 abgehängt, Dehler 33 Competition Boreas versägt und zwei Dynamic 35 (YS 88) fast eingeholt, so schlecht waren wir gar nicht. Auf dem Rückweg begegneten wir noch Beowulf, den wir auf der ganzen Strecke nie registriert hatten, weil wir nach dem Spi mit dem Wikinger suchten. So konnten wir auf einer herrlichen und schnellen Kreuz zurück nach Hard Resümee ziehen:


Zufrieden!


Entgegen allen Prognosen war es ein schnelle und schöne West – Ost, auch in der Yardstickgruppe konnten die 45er mit den Plätzen 2, 3, 8 und 22 überzeugen. Vielleicht bringt dieser motivierende Bericht den einen oder anderen 45er dazu, nächstes Jahr doch zu melden und so den Klassenstatus wieder zu sichern. Denn eines soll dieser Bericht sicher nicht sein: Wenig motivierend! ;-)

Resi, P 223, fee, mit Crew Roland, Hermann, Mario und Unterstützung von der Cara, Stefan.


Ergebnis 45er:

  1. Ariadne
  2. Schelm
  3. Fee
  4. Beowulf

Ergebnisse YS 2: